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Die Macht des ersten Eindrucks

Freund oder Feind, Zuspruch oder Ablehnung: Der erste Eindruck hat weitreichende Folgen für Privatleben und Beruf. Und er hält sich hartnäckig, auch gegen neue Erfahrung
von Ingrid Kupczik, 29.05.2017

Sympathisch oder nicht? Das erste Urteil fällt rasch, ist aber fehleranfällig

F1online

Vorstellungsgespräch, Zufallsbegegnung im Zugabteil, erstes Kaffeetrinken bei der Schwiegermutter, echtes Date nach dem Online-Chat: Wie wir auf eine fremde Person wirken, und diese auf uns, entscheidet sich binnen kürzester Zeit. Nur Millisekunden braucht das Gehirn, um vom Gegenüber aus der Fülle an Informationen einen ersten Eindruck zu gewinnen. Körpergeruch, Gesichtszüge, Stimme, Wortwahl, Gestik, Kleidung spielen dabei eine Rolle. Das Urteil hat Bedeutung und Bestand. "Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance", sagt der Volksmund. Neue Forschung zeigt, dass es auf jeden Fall schwer ist, den ersten Eindruck zu ändern.

Allein der Anblick eines Porträtfotos reicht offenbar aus, um dem Betrachter einen nachhaltigen Eindruck über die abgebildete Person zu vermitteln. Die einmal entstandene Meinung bleibt vorherrschend, selbst wenn wir dem Menschen vom Foto einige Wochen später persönlich begegnen und mit ihm sprechen, stellte Psychologie-Professorin Vivian Zayas von der Cornell-University in einer Studie fest.

Der erste Eindruck bleibt

Über ein ähnliches Ergebnis berichteten kanadische Wissenschaftler im Journal of Experimental Psychology. Demnach sorgen neue Erfahrungen, die den ersten Eindruck widerlegen, nicht etwa für eine Korrektur des Gesamtbildes von einer Person. Stattdessen wird nur ein kleiner Teilaspekt angepasst. Studienleiter Bertram Gawronski nennt ein Beispiel: Wer bei der ersten Begegnung mit seinem neuen Arbeitskollegen einen eher schlechten Eindruck gewonnen hat, wird womöglich einige Zeit später beim Treffen auf einer Party überrascht feststellen, wie aufgeschlossen und charmant der Kollege doch sein kann. Diese Wahrnehmung gilt aber nur exklusiv für gesellige Ereignisse. "In allen anderen Kontexten wird der erste Eindruck weiterhin dominieren."

Rasches Urteil als Schutz vor Risiken

Warum ist der erste Eindruck überhaupt so wichtig? "Weil er uns vor schlechten Erfahrungen schützt", erklärt Sozialpsychologin Dr. Elisabeth Schneider von der Universität München, die das Thema im Rahmen der Risikoforschung untersucht. Seit der Frühgeschichte hilft die Fähigkeit zur Risikoeinschätzung dem Menschen, Freund und Feind blitzschnell auseinanderzuhalten und Flucht oder Angriff zu starten.

"Wenn wir einem Unbekannten gegenüberstehen, werden im Gehirn automatisch Stereotype aktiviert, die von unseren Lernerfahrungen geprägt sind und bestimmte Emotionen auslösen." Das könne ein Gefühl von Zuneigung, Sympathie, Vertrautheit sein. Oder eben ein ungutes Gefühl, eine bedrohliche Stimmung, eine unerklärliche Unsicherheit – Signale für eine mögliche Gefahr, die uns auffordern, zu der betreffenden Person auf Abstand zu gehen. "Man sollte diese negativen Gefühle auf jeden Fall ernst nehmen. Sie haben Einfluss darauf, ob und wie wir ein Risiko wahrnehmen", sagt Psychologin Schneider.

Eindruck und Verhalten beeinflussen sich

Zwei Effekte verstärken die Hartnäckigkeit des ersten Eindrucks. Expertin Schneider nennt zum einen die ‚selbsterfüllende Prophezeiung‘: "Infolge meines ersten Eindrucks verhalte ich mich einer Person gegenüber in einer bestimmten Weise. Wenn ich jemanden sympathisch finde, dann werde ich offener auf ihn zugehen, was Einfluss auf sein Verhalten hat. Und das macht es mir wiederum leichter, ihn weiterhin sympathisch zu finden." Von einer Person, die man unsympathisch findet, wird man sich hingegen zurückziehen und ihre Reaktion als Bestätigung für den eigenen ersten Eindruck betrachten. Die Münchner Forscherin nennt ein Beispiel: "Wenn der neue sympathische Kollege eine Frage hat, sage ich mir: Wie gut, dass er nochmal nachfragt. Beim unsympathischen heißt es: Der kapiert ja auch gar nichts."

Hinzu kommt als zweiter Verstärker der sogenannte Halo-Effekt (engl. halo; dt. Heiligenschein), eine Art Systemfehler bei der Urteilsbildung: Eine bekannte Eigenschaft strahlt auch auf andere Eigenschaften aus. "Menschen, die attraktiv sind, werden automatisch als positiver und intelligenter wahrgenommen als andere", erklärt die Sozialpsychologin Schneider.

Dieser Effekt funktioniert auch beim Betrachten von Porträtfotos, wie die amerikanische Psychologie-Professorin Vivian Zayas feststellte. "Man verbindet attraktive Gesichter mit sozialer Kompetenz und vermutet, dass die Ehe dieser Menschen stabiler ist und ihre Kinder besser geraten sind als die von weniger attraktiven Personen."

Den ersten Eindruck öfter hinterfragen

Wie zuverlässig ist der erste Eindruck? "Schwer zu sagen. Wir fragen uns ja üblicherweise nicht, wie unser guter oder schlechter Eindruck von einer Person entstanden ist", sagt Risikoforscherin Schneider. "Stattdessen bleiben wir meist recht unreflektiert bei unserer Einschätzung." Dahinter stecke das Bedürfnis nach Beständigkeit: "Wir wehren uns unbewusst, eine einmal gefasste Meinung aufzugeben."

Das Wissen um solche psychologischen Wirkmechanismen könne aber dazu beitragen, sich von manchen Vorurteilen und Stereotypen zu lösen. Hilfreich sei zudem, den ersten Eindruck am konkreten Verhalten des anderen festzumachen und die eigene Interpretation zu hinterfragen: Kann man das Verhalten auch anders deuten?

"Wir sollten uns viel öfter fragen, was uns eigentlich veranlasst, in einer bestimmten Weise zu urteilen." Das wäre ein guter Startpunkt für den zweiten Eindruck. "Es ist zwar mühevoller, als sich den ersten Eindruck immer wieder zu bestätigen, aber definitiv machbar."



Bildnachweis: F1online

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