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Macht Hitze aggressiv?

Steigt bei Hitze die Gewaltbereitschaft? Wie wirkt sich der Klimawandel auf unsere Aggressionen aus? Forscher haben erste Antworten
von Dr. med. Roland Mühlbauer , aktualisiert am 24.07.2015

Schreien vor Wut: Bei Hitze brennen die Sicherungen leichter durch

fotolia/Knut Wiarda und istock/Sean824

Je nach Situation kann Hitze verschiedene Gefühle auslösen. Badegäste freuen sich über den Sonnenschein. Wenn im Auto oder im Büro hingegen die Klimaanlage fehlt, werden heiße Tage zur Belastungsprobe für die Nerven. Die Unzufriedenheit wächst. Nicht umsonst sprechen wir von einer "hitzigen Auseinandersetzung", wenn wir einen handfesten Streit beschreiben.

Professor Andreas Zick vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung in Bielefeld sagt: "Hitze erhöht das Erregungsniveau. Es kommt aber darauf an, wie wir selbst diese Erregung interpretieren", also ob wir die Hitze für unsere gute oder schlechte Laune verantwortlich machen. Dabei wird die eigene Einstellung auch dadurch beeinflusst, ob Mitmenschen ihre miese Stimmung mit der Hitze in Verbindung bringen. Bezieht man das dann auch auf sich selbst, sprechen Psychologen von Erregungsübertragung. "Generell entstehen Gefühle sowohl durch körperliche als auch seelische Faktoren", erklärt der Experte.

Mehr Gewalt in langen, heißen Sommern

Bereits seit den 1960er Jahren befassen sich amerikanische Forscher mit dem Thema Hitze und Aggression. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass bei Hitze häufiger Berichte über Gewalt in den Zeitungen erschienen als üblich. Die Psychologen bezeichneten das Phänomen als den "Long hot summer effect". Neben der Temperatur könnten für die Zunahme der Verbrechen auch andere Faktoren eine Rolle spielen, sagt Zick: "Bei Hitze gehen mehr Menschen nach draußen, sie konsumieren mehr Alkohol, und das längere Tageslicht schafft auch mehr Gelegenheiten für Kriminelle."

Zur Frage, ob die Hitze selbst die Gewaltbereitschaft fördert, erschienen auch einige experimentelle Studien im Bereich der sozialpsychologischen Aggressionsforschung. In den siebziger Jahren veranstalteten die amerikanischen Forscher Robert Baron und Paul Bell einige aufsehenerregende Versuche, bei denen Versuchsteilnehmer die Menschen in der anderen Gruppe der Studie mit Elektroschocks bestrafen konnten. Fand das Experiment bei 30 statt bei 23 Grad Celsius statt, verteilten die Teilnehmer längere Elektroschocks.

Von der Aggression zur Gewalt

Ob jemand tatsächlich zuschlägt oder zur Waffe greift, wenn die Stimmung hochkocht, hängt auch von der individuellen Veranlagung ab. Zick: "Beispielsweise haben Menschen, die in der Kindheit Gewalt erfuhren, eine größere Neigung zur Gewalt. Und oft sind sie auch später von Menschen umgeben, die eher zur Gewalt bereit sind." Es komme darüber hinaus darauf an, ob die Umwelt Gewalt als legitim betrachtet. Und außerdem spielen die innere Einstellung, das Einfühlungsvermögen sowie individuelle Feindseligkeiten eine größere Rolle. Kommt dann noch ein äußerer Faktor – wie Hitze – hinzu, werden Menschen mit der entsprechenden Neigung schneller gewalttätig.

Wenn es sehr heiß wird, wird es wieder friedlicher

"Die Studien zeigten aber auch, dass die Gewalt nicht immer weiter zunimmt, wenn die Hitze ansteigt", sagt Zick. Zwar erhöhe sich bis zu einer bestimmten Temperatur die Aggressionsbereitschaft. Wird es dann aber noch heißer, mit Temperaturen deutlich über dreißig Grad Celsius, dann sinkt sie wieder. Vermutlich aus dem Grund, weil die Betroffenen dann eher darüber nachdenken, wie sie der unangenehmen Hitze entkommen – sagt zumindest die These über negative Stimmungseffekte von Robert Baron und Paul Bell.

Ob die allgemeine Erwärmung des Klimas in Zukunft zwangsläufig zu mehr Gewalt führt, wird derzeit noch erforscht. "Vielleicht pendeln wir uns auf einem höheren Erregungsniveau ein, und sind dann anfälliger für Aggressionen", sagt Zick. "Möglicherweise können wir uns aber auch an die Temperaturen gewöhnen, so wie die Kulturen in heißeren Ländern." Diese haben Rituale entwickelt, um Aggressionen nicht aufkommen zu lassen. Dazu gehört zum Beispiel eine ausgiebige Siesta in den wärmsten Stunden des Tages.

Selber kühlen Kopf bewahren

Wer sein eigenes hitzebedingtes Erregungsniveau schnell absenken will, muss nicht gleich in ein Eisfass springen. Entscheidend sei laut Zick, die Stirn zu kühlen – denn Studien haben gezeigt, dass wir vor allem mit heißer Stirn die Umgebung aggressiver interpretieren. "Oder Sie gönnen sich öfter mal ein Eis, das kann auch wunderbar entspannen", rät der Experte.



Bildnachweis: fotolia/Knut Wiarda und istock/Sean824

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